3BHITN 2016/17
Europa: Dialog mit Karim El-Gawhary
Am 8.3.2017 besuchten die beiden Klassen 3BHITN und 4AHITN die Schulveranstaltung „Europa: Dialog mit Karim El-Gawhary“ im Haus der Europäischen Union.
Einleitendes Bild: Europa: Dialog mit Karim El-Gawhary

Karim El-Gawhary ist seit vielen Jahren als Journalist tätig und seit 2004 unter anderem Nahostkorrespondent des ORF in Kairo.

Das Thema des Gesprächs war die Flüchtlingskrise und ihre Folgen.

Der charismatische Journalist gab den SchülerInnen mit eindrucksvollen Geschichten Einblicke in das Leben und Leiden von Flüchtlingen.

„Wer von Euch hat sich seinen Geburtsort ausgesucht?“

Mit dieser Frage brachte Karim El-Gawhary zum Ausdruck, dass jeder von uns ein Flüchtling sein könnte, wäre er in Aleppo, Homs, Damaskus oder in einem der vielen anderen Krisengebiete der Welt geboren und wir es nur der Gnade unseres Geburtsortes zu verdanken haben, dass wir in Friede und Wohlstand leben dürfen.

Rund eine Million Flüchtlinge sind 2015/16 in den EU-Raum mit rund 500 Millionen Einwohnern gekommen – im Vergleich nichts gegenüber Ländern wie dem Libanon und Jordanien, wo jeder 4. Mensch ein Flüchtling ist.

El-Gawhary sprach davon, dass Europa keine Flüchtlingskrise, sondern eine Krise im Umgang mit Flüchtlingen habe.

Auch meinte er, dass die Abwehr der Flüchtlinge, das Bauen von Mauern etc., das vor allem populistischen Politiker in Europa fordern, das Problem nicht beseitigen wird. Die Menschen kommen ohnehin, weil sie keine andere Möglichkeit haben. Sie wagen die Fahrt über das Mittelmeer, auch wenn sie von den Gefahren wissen, denn sie haben keine Alternativen. Und dieses Wagnis endete für die Syrerin Soha mit dem Tod von drei ihrer vier Töchter, die im Mittelmeer ertranken, weil sie sich nicht mehr länger an ihrer Mutter anklammern konnten, nachdem ihr Boot gekentert war.

Diese und andere Geschichten, die Karim El-Gawhary in den Interviews mit Betroffenen erfährt, möchte er weitergeben, damit diese Menschen, die flüchten mussten und alles verloren haben, nicht vergessen werden oder sogar zum Feindbild des reichen Europa gemacht werden.

Die 1 1/2 stündige Begegnung mit dem bekannten Journalisten war sehr berührend.

Als ich ihn am Ende der Veranstaltung bat, sein Buch „Auf der Flucht“ für mich zu signieren, setzte er das arabische Sprichwort hinzu: „Meine Wohnung ist auch deine Wohnung.“

 

 

Sabine Gottstein